Vereinsleben
Das Leben in der Freiwilligen Feuerwehr gestaltete sich in den Jahren nach der Gründung
wie in jedem anderen Ortsverein auch, abgesehen von der speziellen Aufgabe, nämlich
dem "FEUER WEHREN", also der Brandbekämpfung.
Es galt, alljährlich die "Generalversammlung" abzuhalten, den Kassenbericht zu erstatten,
Entlastung zu erteilen, Anregungen für die Anschaffung von Gerätschaften zu geben
und selbstverständlich auch Festlichkeiten zu beschließen.
Ein besonderes Augenmerk legte man aber auf die
notwendige Ausbildung der Feuerwehrmänner und ihre ständige Einsatzbereitschaft.
Regelmäßig, wurden Alarmübungen durchgeführt, auch nachts, wie die alten Protokollbücher
zu berichten wissen. Diese Protokollbücher weisen auch nach, dass bereits 1928 in
der Wehr eine Sanitätsmannschaft bestand, die die Erstversorgung von verletzten
Feuerwehrangehörigen vornahm. Eine Trage gehörte zum Inventar der Wehr.
Der monatliche Mitgliedsbeitrag betrug im Jahre 1924 zwanzig Pfennig und streng
wurde geahndet, wer an einer Versammlung oder Übung nicht teilnahm. Bei einmaliger
Abwesenheit betrug die „Versäumnisstrafe“ eine Mark, bei zweimaliger Abwesenheit
zwei Mark und bei dreimaligem Nichterscheinen war gar die „Entlassung“ fällig. Die
Chronik weist nach, dass ab 1928 auch inaktive oder "außerordentliche" Mitglieder
aufgenommen werden konnten. Das aber nur unter der Voraussetzung, dass 20 Mark Jahresbeitrag
entrichtet wurden. Dass es in den Anfangsjahren mit der Einsatzbekleidung und Ausrüstung
nicht immer zum Besten bestellt war, geht daraus hervor, dass man 1929 beschlossen
hatte, neue Mitglieder erst dann wieder auf zunehmen, wenn sich auch die Gemeinde
bereiterklärt, weitere Feuerwehrausrüstung anzuschaffen.
Die Wehr als Mädchen für alles
Die Männer der Freiwilligen Feuerwehr und der Musikkapelle sind aus dem kulturellen
Leben unserer Gemeinde nicht fort zu denken. Aus ihrer Bindung an die Gemeinschaft,
in der sie leben, übernehmen sie freiwillig Aufgaben, die mit dem Feuerschutz nichts
zu tun haben und die dennoch im Rahmen eines funktionierenden Gemeinwesens bewältigt
werden müssen. Davon zeugt auch die junge Geschichte der Wehr von Bad Salzig.
Als nur ein Beispiel sei das Sammeln des Geldes für das Backen der Mertesweck und
die Organisation und Durchführung des Mertesfackelzuges genannt. Heute, wie auch
bereits im Jahre 1929 zeichnet die Freiwillige Feuerwehr dafür verantwortlich, dass
der Laternenumzug der Kleinen und Großen reibungslos durch die Straßen des Ortes
vonstatten geht. Und wie schon selbstverständlich unter der musikalischen Begleitung
der Feuerwehrkapelle.
Damals, am 10.11.1930, mit Fuhrmann Georg Minning hoch zu Ross als St. Martin und
Klempner Heinrich Bach als armen Bettler. Hier hat sich in 60 Jahren nichts geändert.
Nur, dass es heute schwieriger ist, für St. Martin ein Pferd zu finden, und dass
es auch heute nicht mehr möglich ist, das Martinsfeuer, wie vor 1964, am Rhein abzubrennen.
Das Ross muss in Nachbargemeinden des Hunsrücks "angemietet" und per Hänger nach
Bad Salzig gebracht werden und das Martinsfeuer wird auf dem Sportplatz abgebrannt.
Die Freiwillige Feuerwehr ist im wahrsten Sinne des Wortes "Mädchen für alles".
Sie war es nicht nur in der Vergangenheit, sondern ist es auch heute noch.
Schlagen wir nochmals einige Seiten der alten Protokollbücher auf. Hier heißt es
unter dem 22. Juli 1930: "Da nun endlich die Befreiung der Rheinlande von den Franzosen
erfolgt war, beschloss unser Herr Reichspräsident von Hindenburg die Rheinländer
zu besuchen. Zu diesem Zwecke fuhr der Herr Reichspräsident mit dem Cöln-Düsseldorfer
Passagierdampfer "Mainz" von Mainz nach der früheren alten Garnisonsstadt Coblenz,
um dort die ganzen Rheinländer zu begrüßen."...
"Die Freiwillige Feuerwehr Bad Salzig trat in Paradeuniform mit ihrer Musikkapelle
an und unter Abspielen des Deutschlandliedes und Hochrufen fuhr der Herr Reichspräsident
mit dem Schiff unter Tücherschwenken der Begleiter vorbei."
Auch von großem Leid wird berichtet, denn an diesem Tag stürzte die Hafenbrücke
in Koblenz ein und auch vier Bad Salziger ertranken in den kalten Fluten der Mosel.
Sie wurden unter Begleitung der Freiwilligen Feuerwehr und der Bürger und Vereine
auf dem Bad Salziger Friedhof beigesetzt.
Nach Tagender Trauer meldete sich wieder der Alltag. Am 23. November 1930 ertönten
die Alarmsignale und es galt, der drohenden Hochwasserflut des Rheins zu begegnen.
In der Rheinstraße mussten aus Böcken, Stangen und Bohlen Notstege gebaut werden,
um den Anwohnern die Möglichkeit zu geben, trockenen Fußes ihre Häuser zu verlassen
und wieder zu betreten. Einsätze, die zum Alltag einer Feuerwehr in den Rheinstädten
und -gemeinden zählen. Heute haben diese Arbeiten städtische oder gemeindliche Bedienstete
übernommen - trotzdem bewährt sich die Freiwillige Feuerwehr aber auch noch in jüngster
Zeit als Wasserwehr. Dann nämlich, wenn es gilt Wirtschafts- und Kellerräume vor
den steigenden Fluten des Rheins zu räumen oder einen ständigen Pumpendienst einzurichten.
Und wenn das schmutzig-braune Wasser des Rheins wieder zu fallen beginnt, sind es
wiederum die Männer der Feuerwehr, die mit Hand anlegen, Schläuche auslegen und
die Straßen von Schlamm und Unrat befreien.
Anfang der dreißiger Jahre wurde Bad Salzig von mehreren Großbränden heimgesucht
und wieder mussten die Wehrmänner ihre Schlagkraft und ihr Können unter Beweis stellen.
Es galt nicht nur in der Rheinstraße, Kirchstraße, Dammigstraße und Nagelgasse die
Feuerbrunst zu löschen, sondern auch die benachbarten, von den Flammen bedrohten
Häuser zu schützen.